Öffentlich-Rechtlich in Namibia: Internet zu euro-zentrisch

Der heutige Screenshot (22. Juni 2009) der Web-Nachrichtenseite der Namibian Broadcasting Coorpation NBC unter http://www.nbc.com.na/news/today.php sagt alles über die Prioritäten der NBC aus:


Nambia Broadcasting Corp -- Screenshot der Web-Nachrichtem vom 22. Juni 2009

Natürlich benötigt ein Land wie Namibia, wo die Mehrheit nicht schon mehr Zeit vor dem Computer verbringt als vor der Glotze, keine Nachrichten per Internet im Minutentakt.

Nichtsdestotrotz gibt es keine Entschuldigung dafür, solch eine Nachrichtenseite trotzdem einzurichten und diese dann über ein Jahr lang überhaupt nicht zu pflegen.

Die Nachrichten von Radio Owambo sind immer up-to-date!

Gaddafi über afrikanische Bootsflüchtlinge: Alles nur Raffzähne aus dem Busch

Das Treffen zwischen Latin Lover "Papi" Berlusconi und African-Union-Präsident Muammar al-Gaddafi liefert die erwarteten Ergebnisse: Unterhaltung pur.

Afrikanische-Union-Präsident Muammar al-Gaddafi beweist in Italien, wie afrikanische Solidarität funktioniert.Nachdem in letzter Sekunde verhindert wurde, dass Gaddafi beleidigt nach Libyen zurückgeflogen ist, weil Berlusconi ihn nicht persönlich am Flughafen abholen wollte, verstehen sich die beiden Frauenversteher wieder prächtig.

So auch in der Sache der afrikanischen Bootsflüchtlinge. Alle weg, so das Motto. Doch auch zu diesem Thema hatte Gaddafi dann wieder Ansichten, die selbst Berlusconi etwas peinlich waren.

Wie der Guardian berichtet, wies Gaddafi die Anschuldigung zurück, dass die Vereinbarung zwischen Italien und Libyen, nach der italienische Patrouillen Bootsflüchtlinge, die sich von den libyschen Küsten in Richtung Lampedusa aufmachen, noch auf hoher See aufgreifen und umgehend nach Libyen zurückschaffen dürfen, es Asylbewerbern unmöglich mache, den nötigen Schutz zu bekommen:

"This is one of the lies that is put about," the colonel declared at a joint press conference after his talks with Berlusconi. "The Africans do not have problems of political asylum. People who live in the bush, and often in the desert, don't have political problems. They don't have oppositions or majorities or elections."

The Libyan leader, who is also chairman of the African Union, went on: "These are things that only people who live in cities know. [Other Africans] don't even have an identity. And I don't mean a political identify; they don't even have a personal identity. They come out of the bush and they say: 'In the north, there's money, there's wealth' – and so they go to Libya, and from there to Europe."

According to the UN, an unusually high proportion of the migrants who cross from Libya are asylum seekers fleeing wars and disorder. But Gaddafi was having none of it. "Please, don't take seriously this business about political asylum. The idea they are all asylum seekers makes you laugh sometimes."
Da zuckt man unwillkürlich zusammen. Auf der anderen Seite, grübel, grübel, da sind in der Tat viele Wohlstandsflüchtlinge unterwegs. Es bleibt nur eine Lösung: Früher oder später wird es die EAU geben müssen -- die Europäisch-Afrikanische Union. Ich würde mich auf sie freuen. Und Ihr?

Kurzfilm Inja: Der beste Freund des weißen Mannes

"Inja" (Hund), ein Kurzfilm des südafrikanisch-australischen Regisseurs Steve Pasvolsky, über einen absichtlich rassistisch-traumatisierten Hund, der zwischen seinen weißen Herrn und dessen schwarzen Farmarbeiter gerät.

Der Film wurde 2003 für einen Oscar nominiert und bei den Filmfestivals in Sundance, New York, Telluride, and London gewürdigt.

Screenshot des Kurzfilms Inja mit Link zum Film auf Pangea Day

Vor Beginn der 17 Minuten Laufzeit bitte nicht vergessen, eine Sprache für die Untertitelung auszusuchen. Es lohnt sich.

Namibia Tourismus: Nun auch per Handy abrufbar

Namibia Tourismus hat eine mobile Website für Touristen eingerichtet. Das Mobil-Marketing-Unternehmen Yonder Media aus Südafrika hat die "Discover Namibia"-Mobi-Website erstellt.


Screenshot und Link zu der Discover Namibia-Mobi-Website von Namibia Tourismus

Die Seite kann auch  von einem normalen Webrowser eines Macs oder PCs abgerufen werden -- also ausprobieren: discovernamibia.mobi

Die Website bietet Informationen über die Einreisebestimmungen, Tipps für sicheres Reisen, Tourenvorschläge, die Top-Attraktionen und Pauschalangebote. Das Angebot gibt es zur Zeit nur auf Englisch

Die Seite ist ganz gut gemacht, besser jedenfalls, als die eigentliche Website von Namibia Tourism, die technisch und optisch doch schon leicht veraltet wirkt.

Südafrika-Untergangs-Artikel zu harmlos: Die ANC-Jugendliga probt Stalin

Es war mal wieder soweit: Spiegel Online veröffentlicht einen seiner periodisch erscheinenden Südafrika-Untergangs-Artikel. Und bleibt mal wieder auf halber Strecke stehen. Das Thema dieses Mal ist die Schlammschlacht zwischen Helen Zille und den Unterstützern Jacob Zumas.

Die Südafrikaner hatten am 22. April in einer fairen, freien und friedlichen Wahl den umstrittenen ANC-Chef Jacob Zuma fast mit Zweidrittelmehrheit zu ihrem neuen Staatspräsidenten gewählt. In der Provinz Western Cape - vergleichbar einem deutschen Bundesland - hatte es sogar einen Regierungswechsel gegeben: Die ehemalige Kapstädter Bürgermeisterin Helen Zille kann dort mit ihrer Demokratischen Allianz (DA) in den kommenden fünf Jahren mit absoluter Mehrheit regieren. Doch kaum im Amt, löste die Tochter deutscher Immigranten eine der schmutzigsten Schlammschlachten aus, die Südafrika je erlebt hat. 
Es begann noch relativ harmlos. Zille berief zehn Männer in ihr neues Kabinett, aber keine einzige Frau. Sechs der zehn Minister sind zudem Weiße. Kubi Rama von der Frauenrechtsorganisation Gender Links erklärte in einem offenen Brief an die Ministerpräsidentin, sie schwanke angesichts dieser Männerriege "zwischen Ärger und völliger Fassungslosigkeit". 
Der Gewerkschaftsbund der Provinz legte Beschwerde bei der Menschenrechtskommission ein, weil er durch Zilles unausgewogene Kabinettsbildung die Verfassung verletzt sieht. Sogar die liberale Wochenzeitung "Mail & Guardian" titelte entsetzt: "Die Rückkehr der weißen Männer." Und "M&G"-Chefredakteurin Ferial Haffajee befand, Zille habe durch die Auswahl ihrer Ministermannschaft den Frauen "den Mittelfinger gezeigt". 
Der neue Politstar stand plötzlich mit dem Rücken zur Wand - und keilte zurück: Sie nannte den neuen südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma einen "bekennenden Womanizer mit zutiefst sexistischen Ansichten", der seine Frauen dem Risiko ausgesetzt habe, sich bei ihm mit dem Aidsvirus zu infizieren. Zuma hatte 2006 in einem Vergewaltigungsprozess eingestanden, er habe ungeschützten Sex mit einer HIV-positiven Frau gehabt. Zuma war damals freigesprochen worden. 
Zilles Frontalangriff auf den Staatspräsidenten war eine Steilvorlage für den ANC, der seine Niederlage am Westkap noch nicht verwunden hat. Die Vereinigung der Veteranen des Freiheitskampfes drohte, sie werde die Provinz Western Cape unregierbar machen, wenn Zille ihr "antiafrikanisches und rassistisches Gebaren" nicht sein lasse. Zille sei "eine Faschistin schlimmster Sorte". Der Sprecher der wegen ihrer verbalen Ausfälle berüchtigten ANC-Jugendliga, Floyd Shivambu, giftete: "Zille hat ein Männerkabinett von nutzlosen Leuten ernannt, die in der Mehrzahl ihre Boyfriends und Konkubinen sind, damit sie weiter mit ihnen herumschlafen kann."
Hier der Originalwortlaut von Zilles "Frontalangriff" im Sowetan:

COSATU, whose partner, the ANC, has just dropped a woman from the Deputy President position, has a nerve to attack me over the gender composition of the DA and ID Western Cape Provincial Cabinet. 

The ANC, in all its 90 years of existence, has never elected (or deployed) a woman as its leader. The DA has done so within the first ten years of its existence. In fact, until recently, both the DA’s national leader and Parliamentary leader were women. 

The ANC’s alliance partners, the SACP and COSATU, are also led by men. And, more significantly, the ANC’s leader, Jacob Zuma, is a self-confessed womanizer with deeply sexist views, who put all his wives at risk by having unprotected sex with an HIV-positive woman. Even after this the ANC women’s league strongly endorsed his Presidential campaign. Their professions of support for women’s rights ring hollow indeed against this background. 

While some of the ANC’s senior women achieved their positions on merit, others are well known "quota appointments". The ANC can therefore pretend to be serious about women’s rights, while actually patronizing women who want to be recognized for their ability. 

Jacob Zuma is able to make all his quota and politically expedient appointments because he has extended his Cabinet (including Deputy Ministers) to a ludicrous 62 members -- at taxpayers’ expense. 

In contrast, Provinces are confined by law to 10 MECs drawn from the list elected to the provincial Parliament. 

Zuma’s expanded cabinet will cost an extra R19 million in salaries alone, before adding the cost of all the staff and perks to which they are entitled. But the real power remains firmly in the hands of the ’big men’. 

This is blatant hypocrisy. When women are appointed to meet a quota, it is an insult to every woman who has achieved her position through adding value, such as women in the DA. 

By paying lip-service to the empowerment of women, the ANC is also promoting the mindset that only women can care about the issues affecting women, or do something about them. The same applies to the ANC’s warped logic regarding race, which says that only black people can care about black people, that only whites can care about whites and so on. This is racist nationalist thinking which goes against the letter and spirit of our constitution. It is also something that every intelligent South African should reject. 

In the DA we believe that human beings can care for each other regardless of race or gender. The real test of democratic equality is how well services are delivered to everyone, on an equitable basis, not the colour or gender of the people delivering them. 

Helen Zille
Premier of the Western Cape
Das als Zurückkeilerei zu bezeichnen ist grotesk. Zuma hat nun einmal mit dieser AIDS-infiizierten Frau geschlafen und dann geduscht, um ein Ansteckung zu vermeiden, wie er selbst zugegeben hatte. Das sind die gerichtlich dokumentierte Tatsachen. 

Die Reaktion der ANC Jugendliga ist komplett überzogen und beängstigend. Die haben einen an der Waffel. Der Versuch von Spiegel Online, in dieser Sache dann doch ausgewogen zu berichten, ist einfach nur albern. 

Sogar in Südafrika selbst ist man da schon weiter. Radio 702 DJ Redi Direko versuchte kürzlich vergeblich, bei dem oben erwähnten Sprecher der ANC Youth League, Floyd Shivambu, herauszufinden, was genau gemeint war mit der Aussage, das Helen Zille “herumschlafen" würde.

Zille und Zuma, das laufende Aids-Risiko: Interview auf Radio 702 von DJ Redi Direko mit dem Sprecher der ANC Youth League, Floyd Shivambu

Zu köstlich. Aber auch bitter ohne Ende, dass sowas die Zukunft der ANC repräsentieren soll.

DDR ein Unrechtsstaat: Stasi für Mord und Terror auch im Ausland verantwortlich

Ob die DDR nun ein Unrechtsstaat war, darüber können natürlich nur westdeutsche Linke auf Wahlkampf wie Frau Schwan ohne schlechtes Gewissen eine Diskussion vom Zaun brechen. Und nur die Ex-SED-PDS-Partei, nun Die Linke, kann sich über diese Diskussion freuen. 

Linksfraktionschef Gregor Gysi dazu: "Die DDR war kein Rechtsstaat. Es gab in der DDR Unrecht. Sie war eine Diktatur. Ich würde sie aber nicht als Unrechtsstaat bezeichnen", sagte er. "Bei einer Diktatur könne man unterscheiden, ob die Ziele verbrecherisch seien oder nur die Methoden. In der DDR seien nicht alle Ziele von Anfang an verkehrt gewesen."

Zusammengefasst: Die DDR war also weder Rechts- noch Unrechtsstaat, weil sie eigentlich hehre Ziele verfolgte und nur leider bei der Umsetzung etwas patzte. Soweit, so unverständlich. Doch selbst bei dieser Begründung gibt es für Ostalgiker löbliche Ausnahmen, ein Bereich nämlich, in dem die DDR sogar selbst bei der Umsetzung nicht versagte, und das war die Außenpolitik. Den Ossi habe ich jedenfalls noch nicht getroffen, der nicht wenigstens für dieses Gebiet der DDR uneingeschränkte Überlegenheit gegenüber Westdeutschland bezeugt.

Die Solidarität mit der Dritten Welt, die Ausbildungsmöglichkeiten für die Mozambikaner, die Aufnahme der Waisenkinder aus Namibia, alles toll, alles schön, nicht wie der schlimme Westen mit seinen imperialistischen Waffenexporten in die Dritte Welt.

Gysi lässt dieses Überlegenheitsgefühl der Ossis anklingen, wenn er in der DDR-Unrechtsstaatdebatte der CDU vorwirft, dass sie auch Südafrika zu Zeiten der Apartheid nicht als Unrechtsstaat bezeichnet habe.

Doch dass dieses Selbstbild auch nur ein Stück DDR-Nostalgie ist, das eine Diktatur romantisiert und Ergebnis einer selektiven Wahrnehmung ist, beweisen gerade diese Tage wieder. In dieser Woche vor genau 20 Jahren hat nämlich Erich Honecker den äthiopischen Staatschef Mengistu „Haile“ Mariam mit allen Ehren empfangen, obwohl der in seinem Land während der Jahre des „Roten Terrors“ hunderttausende Menschen verfolgen, foltern und hinrichten ließ.

Mengistu in der DDR 1986, Berlin, XI. SED-Parteitag, Rede Sindermann, in der 1. Reihe des Präsidiums - Michail Gorbatschow, Erich Honecker, Mengistu Haile Mariam, Horst Dohlus, Hermann Axen.Es gibt Schätzungen, die von einer halben Millionen Todesopfern sprechen. Während Mengistu sich im Schloß Niederschönhausen verwöhnen ließ, gab es in Äthiopien einen Putschversuch gegen ihn, der aber rasch niedergeschlagen wurde.

Mengistus Amtszeit war charakterisiert durch eine kommunistisch-totalitäre Regierung und eine massive Militarisierung des Landes. Von 1977 an bis 1987 wurden in einer als „Roter Terror“ bezeichneten Kampagne tausende Klassenfeinde, Regimegegner oder Personen, die sich den Enteignungen und Zwangsmaßnahmen widersetzen wollten, gefoltert und getötet.

Doch der Clou der Sache ist: Nicht nur hat die Stasi in Deutschland das eigene Volk terrorisiert, auch im Ausland war sie an Verbrechen gegen Menschen und Menschlichkeit beteiligt -- bis hin zur Folter, und zwar in Mengistus Äthiopien. Details über dieses Kapitel der Stasi-Geschichte, das bisher völlig im Dunkeln liegt, gibt es in dem Roman "Aschemenschen" des Schweizer Journalisten und Schriftstellers Ulrich Schmid:

Die Staatssicherheit aus der DDR war als Vorbild und Lehrmeister dabei. Es sei davon auszugehen, dass Inhalte wie Vernehmungsmethoden und dergleichen bis hin zum Regime in Haftanstalten vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) an die äthiopischen Untersuchungssorgane vermittelt worden seien, davon ist Thomas Auerbach von der Forschungsabteilung der Birthler-Behörde überzeugt. "Es gab also eine sehr enge Zusammenarbeit."

In Ostberlin schließt Ende der 70er Jahre der Militärdiktator Menigstu Verträge mit Erich Honecker. Bereitwillig reicht die DDR dem Unrechtsregime aus dem sozialistischen Bruderstaat die Hand und unterstützt den Terror mit weit mehr als symbolischen Unterschriften. Beweise dafür finden sich in den Akten der Behörde für die Stasiunterlagen: Nach einem Abkommen von 1977 schickt die Stasi eigene Berater und Spezialisten nach Äthiopien. Fotos zeigen Stasi-Mitarbeiter mit dem äthiopischen Militär. Eine "Operativgruppe" hilft beim Aufbau eines Ministeriums für Staatssicherheit nach DDR-Vorbild. Zweifelsfrei dokumentiert ist, dass Stasi-Ausbilder die äthiopische Miliz im Umgang mit Oppositionellen in einer so genannten Spezialuntersuchungsabteilung beraten. Es handelt sich um eine Einheit für politische Häftlinge, und es geht um Festnahme- und Vernehmungstaktiken.
Es sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein, dass die Bundesregierung in dieser Frage eine Historiker-Kommission einsetzt. Und die Links-Partei und Gysi auch mal dazu Stellung beziehen. Denn eines ist sicher: Das Unrechtsstaat in Südafrika zur damaligen Zeit (ohne Diskussionen, Herr Gysi) konnte mit Hinweis auf die engen Verbindungen der ANC und der SWAPO zu der DDR, zu Honecker und Mielke, zu Mengistu, zu Folter und Tod, immer die eigenen Verbrechen kaschieren und den eigenen Poliziestaat rechtfertigen.

Denn, mal Hand aufs Herz: Wäre es aus heutiger Sicht langfristig für Südafrika und all seinen Bewohnern, auch den schwarzen, wirklich besser gewesen, wenn zum Beispiel zeitgleich mit Robert Mugabe die ANC in Südafrika schon Anfang der 80er Jahre, noch vor dem Mauerfall und dem Zusammenbruch der Sowjetunion, an die Macht gekommen wäre? Ich weiß es nicht mehr sicher.

Prinzessin Tracy Kapuuo darf sich auch nicht Tracy von Namibia nennen

Eine leicht verwirrte Enkelin von Clemens Kapuuo sorgt in Deutschland für Kopfschütteln. Clemens Kapuuo war bis zu seiner ungeklärten Ermordung 1978 Regent der Herero in Namibia. Aus diesem angeblichen Status ihres Opas wollte nun die Sekretärin Tracy-Ingrid Behrends endlich auch einen Vorteil ziehen und sich Prinzessin Tracy nennen lassen -- in Deutschland, wohlgemerkt. Doch die Behörden sagten nein. Nicht einmal die Änderung ihres Nachnamens in „von Namibia“ ließen sie zu. 

Sie heißen Frederik von Dänemark oder Leopold von Bayern und signalisieren auf diese Weise edle Herkunft. Familie Behrends aus der Nähe von Weilheim will das auch für sich in Anspruch nehmen und fortan "von Namibia" heißen. Was zunächst nach Bierhallensänger Jürgen Drews und seinem "König von Mallorca" klingt, ist zutiefst ernst gemeint: Ehefrau Tracy-Ingrid Behrends ist Enkelin von Clemens Kapuuo, der 1970 zum Oberhäuptling der Hereros ernannt wurde. Dieser Stamm hatte sich im ehemaligen Südwestafrika gegen die deutschen Kolonialherren erhoben, ihr drei Jahre währender Aufstand wurde 1907 aber brutal niedergeschlagen - Vertreibung und die weitgehende Vernichtung der Hereros folgten.

Paramount Chief Kapuuo - der trotz allem stets für einen Verbleib der deutschen Siedler eingetreten war- galt 1978 als Politiker mit den besten Chancen, erster Präsident eines unabhängigen demokratischen Namibia zu werden. Doch kurz vor der Wahl erschossen ihn radikale Gegner aus dem Hinterhalt.

"Es geht uns um die Gleichstellung der Völker", sagt Tracys Ehemann Reiner-Helmut, der als Werbegrafiker bereits den Künstlernamen "von Namibia-Behrends" führt. So, wie europäische Königshäuser sich im Namen wiederfinden, müsse es auch für afrikanische Herrscherfamilien anerkannt werden, meint Ehefrau Tracy. Sie hatte in ihrer Gemeinde zunächst beantragt, sich Prinzessin Tracy Kapuuo nennen zu dürfen. Das lehnte das Standesamt ab und schlug die Variante "von Namibia" vor. Den entsprechenden Antrag wies dann aber das Landratsamt Weilheim-Schongau zurück. Und seither streiten sich die Behrends" mit den Kreisbeamten - bis ihnen der Kragen geplatzt ist.

Die Eheleute reichten Klage gegen die Behörde ein, über die am Mittwoch vor dem Verwaltungsgericht München verhandelt wurde. "Mein Großvater war ein König in Namibia" sagte dort die Enkelin. "Aber er hieß nicht ,von Namibia", ihre Eltern auch nicht", antwortete der Vorsitzende. "Deshalb können Sie diesen Namen nicht beanspruchen." Es gehe ihnen aber auch um die Gleichstellung der europäischen und afrikanischen Völker, erklärten die Eheleute. "Aber Sie können doch nicht die Rechte von Namibia einklagen wollen" - so machte das Gericht klar, dass die Klage keine Chance hat. Um Geld zu sparen, gaben die Behrends zwar klein bei, doch ihren Protest wollen sie fortsetzen: Für ihr "von" und gegen die mangelnde Gleichberechtigung der Völker.

Grab von Clemence (Clemens) Kapuuo in Okahandja, der am 27.03.1978 in Windhoek (Katutura) ermordet wurde, Otjozondjupa Region, August 2003, Copyright of Photo: Dr. Klaus DierksTja, lieber Tracy-Ingrid, Pech gehabt, da hat Dich Dein Rainer-Helmut wohl falsch beraten. Und Du weißt selbst, was für eine Farce Du und Dein Göttergatte da veranstaltet. Denn ob Dein Opa überhaupt ein echter Blaublüter war, ist ja nicht ganz unumstritten! Dieser Umstand führte bekanntlich in der Vergangenheit zu riesigen Zerwürfnissen innerhalb der Herero und dann zu der Existenz diverser Untergruppierungen innerhalb der Herero (Details zu der Geschichte der Herero-Gruppierung  Zeraua-Herero, Mbanderu und Maharero hier). Prinzesschen, mein Mitleid hält sich Grenzen.

Bundesdeutsch-namibischer Versöhnungsdialog in der Sackgasse

Obwohl der Befund unten von Peter Schellschmidt zur Lage der Dinge zwischen Deutschland und den Hereros aus dem Jahre 2007 stammt, besitzt seine Analyse immer noch Gültigkeit, da sich die Situation in den letzten beiden Jahren fast überhaupt nicht verändert hat.

Und seine Zusammenfassung ist endlich mal eine Aussage aus dem linken Spektrum, die sich explizit dagegen verwahrt, den Holocaust und die Herero-Kriege auf eine Stufe zu stellen: 
Ja, die Schutztruppen haben 1904 im Namen des Deutschen Reiches im damaligen Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia, Genozid am Volk der Herero begangen. Auch die Nama und Damara wurden nicht geschont. (Dennoch: Den Vergleich mit dem Holocaust halte ich für eine unzulässige Verharmlosung desselben.) Ja, vor dieser Verantwortung kann und darf niemand weglaufen. Dieser Verantwortung müssen wir Deutschen uns auch gegenüber dem heutigen Namibia stellen.
Ja, auf dieser Basis sollte der Dialog endlich weitergeführt werden. Und es wäre dementsprechend auch eine Aufgabe dieses Dialogs, vor allem die Hereros, aber auch die Namas -- und die deutschsprachigen Namibier -- über das Dritte Reich und den Holocaust aufzuklären. Und vielleicht in Deutschland selbst auch die Debatte darüber anzustoßen, wo die Grenze zwischen Kolonialismus und Faschismus verläuft. 

Es darf nicht weiterhin Vulgär-Marxisten überlassen bleiben,  den Hereros zu suggieren, die Vorkommnisse in der Omaheke-Wüste stünden auf der gleichen Ebene wie die in Ausschwitz und Dachau. Das ist nicht nur eine Verharmlosung des Holocausts, das macht auch in Namibia selbst die Versöhnung zwischen Deutschen und Hereros unmöglich.   
Die Diskussion um eine angemessene Wiedergutmachung der Deutschen gegenüber den Herero, Nama und Damara in Namibia für den vom Deutschen Reich zu verantwortenden Völkermord im Jahr 1904 ist komplizierter, als sie nach Rolf-Henning Hintzes Bericht und Kommentar ('afrika süd' 4/2007) und auch nach dem Entschließungsantrag der Fraktion "Die Linke" im Bundestag vom 13. Juni erscheinen mag. Zunächst zu den übereinstimmenden Bewertungen:

Ja, die Schutztruppen haben 1904 im Namen des Deutschen Reiches im damaligen Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia, Genozid am Volk der Herero begangen. Auch die Nama und Damara wurden nicht geschont. (Dennoch: Den Vergleich mit dem Holocaust halte ich für eine unzulässige Verharmlosung desselben.)

Ja, vor dieser Verantwortung kann und darf niemand weglaufen. Dieser Verantwortung müssen wir Deutschen uns auch gegenüber dem heutigen Namibia stellen. Der Hinweis auf die ungewöhnlich hohen deutschen Leistungen für die bilaterale Entwicklungshilfe reicht dafür nicht aus. Es ist offenkundig, dass von diesen Leistungen überproportional die Ovambo in Norden des Landes profitieren, die an dem damaligen Konflikt nicht beteiligt waren.

Und nochmals ja: Der offene und faire Versöhnungsdialog, von der BMZ-Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul bei ihrem Besuch in Namibia 2004 angeboten, ist lange überfällig und steht immer noch aus. Die angebotenen Sondermittel erleichtern einen solchen Dialog, können ihn aber nicht ersetzen.

Ein Großteil der Probleme liegt in der Fragestellung, wer mit wem über was reden muss, damit ein solcher Dialog in Gang gesetzt werden kann.

Mit wem: Hintze schlägt vor, auf namibischer Seite mit "den anerkannten Vertretern der Betroffenen unter Beteiligung der namibischen Regierung" zu reden. Dagegen kann in dieser Form niemand etwas haben. Nur. Wer sind diese "anerkannten Vertreter" der in der Hauptsache betroffenen Herero? Antwort: Es gibt sie nicht.

Riruakos Alleinvertretungsanspruch

Die Herero haben in ihrer Geschichte immer eine Vielzahl traditioneller Chiefs gehabt, die untereinander gleichberechtigt und keiner internen Hierarchie unterworfen waren. Erst im Krieg gegen das koloniale Deutsche Reich einigten sich die Chiefs unter diesem enormen äußeren Druck auf einen (Kriegs-)Führer: Samuel Maharero. Als der 1904 durch die Kalahari in das heutige Botswana geflohen war, die Deutschen auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt und damit seine Rückkehr unmöglich gemacht hatten, einigten sich die im Land verbliebenen Chiefs darauf, bis zur Rückkehr der legitimierten Führer nur "Regenten" einzusetzen. Der erste war Hosea Kutako, einer der fähigsten Mitarbeiter Mahareros. Ihm folgte Clemens Kapuuo, der 1978 unter ungeklärten Umständen ermordet wurde. Er war der erste Herero-Regent, der sich auf das damals von Südafrika beherrschte (partei-)politische Terrain begab. Er engagierte sich (und damit die Herero) in der "Turnhallenallianz" (DTA), mit der Südafrika und verbundene Kräfte in South-West" eine Machtübernahme der Swapo verhindern wollten.

Nach der Ermordung von Kapuuo wurde Kuaima Riruako als Regent eingesetzt und von der südafrikanischen Verwaltung bestätigt (und bezahlt). Die Südafrikaner haben sich aber stets geweigert, 'Paramount Chiefs' zu ernennen, sie sprachen lieber von "Headmen". Auf diesen Vorgang bezieht R.H. Hintze seine Position, dass Riruako der "anerkannte Vertreter" der Herero sei, also die Gespräche mit ihm zu führen seien.

Dabei übersieht er zwei wichtige Faktoren: Riruako stammt (wie auch Kutako und Kapuuo) nicht aus einem der traditionellen "Königshäuser" '(Royal Houses'), was auf die Vorläufigkeit und Begrenztheit seiner Funktion hinweist. Bei der ersten Wahl eines (Interims-)Regenten bestand offenbar unter den Chiefs Übereinstimmung, dass mit dem Erreichen von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zunächst ein direkter Nachfahre aus dem Royal House Tjamuaha/Maharero das Amt des Herero-Führers ('Paramount Chief') übernehmen sollte.

Der zweite Faktor ist aber weitaus gewichtiger: Riruako genießt keinesfalls das ungeteilte Vertrauen der Herero. Sowohl die Legitimität seiner Funktion als auch seine Amtsführung sind außerordentlich umstritten. Zur Legitimität: Er wird als Herero-Führer von (Apartheid-)Südafrikas Gnaden kritisiert und er verweigerte sich einer Führungsdebatte nach der Unabhängigkeit. Zudem ist er Vorsitzender einer politischen Partei (Nudo), Abgeordneter in der Nationalversammlung, und gleichzeitig will er als traditioneller Chief und Führer der Herero angesehen und behandelt werden. Diese Gleichzeitigkeit ist - aus guten Gründen - durch die Verfassung des unabhängigen Namibia ausgeschlossen worden. Riruako ist aber zu keinem Amtsverzicht bereit.

Die erste Regierung Namibias setzte eine Kommission unter Leitung des angesehenen Anwalts (und späteren ersten Ombudsmann Namibias), Fanuel Kozunguizi, ein, die 1991 Vorschläge über Rolle und Status von traditionellen Häuptlingen machte sowie einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegte. Unter anderem bot sie Riruako an, ihn in den Status eines traditionellen Chiefs zu erheben (obwohl er keines "königlichen" Blutes war), den anderen Chiefs gleichberechtigt, aber nicht übergeordnet. Riruako lehnte dies ab, worauf ihm die Regierung die offizielle Anerkennung gemäß dem 'Traditional Authorities Act' verweigerte. Dieser Zustand gilt bis heute.

Zur Amtsführung: Riruako reklamiert für sich eine Art "Alleinvertretungsanspruch" (nicht nur) in Sachen Reparationsforderung gegenüber Deutschland. In der Tat war er es, der den anhängigen Prozess vor einem US-Gericht gegen die Bundesrepublik angestrengt hat. Nicht die Forderung nach Wiedergutmachung an sich ist unter Hereros umstritten, wohl aber der Weg (Dialog oder Klage?) und, noch wichtiger, der Inhalt: Wie soll diese Wiedergutmachung aussehen?

Der umstrittene Anspruch Riruakos führte 2004 zu der Gründung des 'Ovaherero/Ovambanderu Council for Dialogue on 1904 Genocide' (OCD-1904). In ihm sind die Chiefs und Gruppen versammelt, die Riruako und seinen Kurs kritisch gegenüber stehen, den turnusmäßigen Vorsitz führt gegenwärtig Chief Alphons Mahareru, Nachfahre des damaligen Herero-Chiefs. Diese Gruppierung steht nicht hinter der Klage und ist am weitesten fortgeschritten in der Debatte, wie tätige Wiedergutmachung praktisch aussehen könnte.

Damit sind wir bei dem Problem, über was beim Dialog geredet werden soll: Wenn es nach Riruako gehen würde, dann vor allem über Geld. Und zwar über Geld, das die Bundesregierung möglichst direkt an die Betroffenen auszahlt. Eine schlicht unerfüllbare Forderung, aus sachlichen wie aus prozeduralen Gründen. Auch R.-H. Hintze ist der richtigen Auffassung, dass dies nicht an der gewählten namibischen Regierung vorbei gemacht werden kann.

Zur Frage, wie die Forderung nach Wiedergutmachung mit sinnvollem (und realistischem) Inhalt gefüllt werden könne, hat es zwei verschiedene Herero-Komitees gegeben, die sich aber trotz mehrfacher Versuche unmittelbar vordem Gedenken an 1904 und dem Besuch der BMZ-Ministerin 2004 nicht auf gemeinsame Positionen einigen konnten. Den Herero mehr Zeit für weitere Debatten untereinander zu geben, war einer der Gründe, warum die Ministerin damals den Versöhnungsdialog vorschlug.

Danach ist nahezu alles schief gelaufen, auf deutscher noch mehr als auf namibischer Seite: Der "Versöhnungsdialog" erschöpfte sich darin, dass die Ministerin auf einer öffentlichen Veranstaltung in Deutschland die Bereitstellung von Sondermitteln in Höhe von 20 Mio. Euro über mehrere Jahre ankündigte, die in besonderem Maße den von Genozid betroffenen Bevölkerungsgruppen zugute kommen sollten. Darüber war aber vorher weder mit der namibischen Regierung noch mit den Betroffenen geredet worden. Prompt verweigerte Präsident Pohamba bei seinem kurz danach stattfindenden Staatsbesuch in Berlin die Unterschrift unter ein vorbereitetes entsprechendes Abkommen.

Wenig hilfreicher Kompromiss

Inzwischen haben sich die beiden Regierungen zu einem, wie ich finde, völlig ungeeigneten, jedenfalls aber nicht hilfreichen Kompromiss zusammen gerauft: Die Mittel werden auf deutscher Seite ausgerechnet von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwaltet, die bislang nicht als Durchführungsorganisation für politisch sensible Projekte hervorgetreten ist, das ist auch nicht ihre Aufgabe. Auf der namibischen Seite ist dies die 'National Planning Commission' (NPC), die auch für die normale bilaterale Entwicklungszusammenarbeit zuständig ist, von der insbesondere Herero und Nama sich vernachlässigt fühlen.

Dies erfuhren die verblüfften Betroffenen, ob Riruako-Anhänger oder -gegner, aus Zeitungsanzeigen, in denen KfW und NPC gemeinsam nach professionellen Consultants für die Umsetzung von Projekten aus diesem Fond suchten. Mit den Betroffenen hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Seite geredet. Es gehört nicht viel Phantasie zu der sicheren Erwartung, dass dies von den Herero, Nama und Damara nicht als die von ihnen geforderte Wiedergutmachung empfunden werden wird. Damit scheint ein vielversprechender Ansatz verpufft und vielleicht sogar ein großer Geldbetrag - im Sinne des angestrebten Effekts - verpulvert. Ein Dialog sieht jedenfalls anders aus.

Unbeachtete Alternativen

Hätte es denn Alternativen gegeben? Es hätte. Über sie ist 2004 auch geredet worden, der deutschen Seite sind entsprechende Vorschläge bekannt. Ich kann nicht nachvollziehen, ob sie jemals ernsthaft geprüft und warum sie nicht aufgegriffen wurden. Ich hielt (und halte) sie für einen gangbaren Weg.

Wie bereits erwähnt, hatten sich in der Vorbereitung auf das Gedenkjahr 2004 zwei unterschiedliche Komitees gebildet, deren vorrangige Aufgabe die Planung der Gedenkveranstaltungen war. Eines war von Riruako beauftragt, das andere von den Chiefs, die später den OCD-1904 gründeten. Dem letzteren standen zwei lutherische Bischöfe, Dr. Zephania Kameeta (ELCIN) und Reinhard Keding (DELK), vor, was ihm den Namen Bischofskomitee eintrug, obwohl natürlich keinesfalls nur Kirchenvertreter diesem Gremium angehörten. Dieses Komitee bezog von Beginn an bewusst deutschsprachige Namibier in die Vorbereitung ein.

Dieses Komitee ging aber letztlich weit über die Gestaltung der Gedenkveranstaltungen hinaus. Nach der berühmt gewordenen Rede der Ministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (in den Augen des Komitees "ein wichtiger und viel erwarteter politischer Durchbruch") unterbreitete es einen konkreten Vorschlag für die Umsetzung der Wiedergutmachung:

"Die Entschuldigung hat die Tür für eine neue Form von Dialog geöffnet, der in Hinsicht auf Versöhnung und Entwicklung zu konkreten Ergebnissen führen könnte. Dieser Dialog kann nun in einer Atmosphäre des gutem Willens und innerhalb eines Rahmens von Versöhnung und Heilung stattfinden. In diesem Sinne können die 1904-Gedenkinitiativen auf neuer Grundlage fortfahren und sollten nicht aufgeschoben werden. Um dem vorgeschlagenen Dialog und Heilungsprozess eine Struktur zu geben, wird vorgeschlagen, dass ein 'Namibisch-Deutsches Institut für Versöhnung und Entwicklung' gegründet wird."

Dieses Institut sollte naturgemäß in Namibia angesiedelt werden ("owned by Namibians"), seine Arbeit sollte die besonderen Wünsche und Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerungsgruppen widerspiegeln, politisch und institutionell unabhängig sein, und es ist wichtig, dass dieses Forum oder Institut und sein Programm sich eindeutig und qualitativ von vergangener Entwicklungshilfe unterscheiden sollte; es sollte etwas Neues sein, dass sichtbar und symbolisch Versöhnung zwischen Deutschland und Namibia fördert, indem es die Bedürfnisse und Wünsche jener Menschen berücksichtigt, die einer Heilung der Wunden der Vergangenheit bedürfen."

Nach dem Projektvorschlag sollten dem Aufsichtsgremium Vertreter der Kirchen, von kulturellen Gruppen, der Zivilgesellschaft, des Privatsektors sowie der namibischen und der deutschen Regierung angehören.

Ergebnis: siehe oben; von Dialog, jedenfalls auf der offiziellen Ebene, keine Spur. Angesichts dieser traurigen Lage gewinnen private Initiativen auf beiden Seiten an Gewicht, vielleicht bewegen sich in ihrem Schlepptau ja auch die offiziellen Stellen.

Von-Trotha-Besuch: Annäherung zum Dialog

2004 luden Nachkommen des damaligen militärischen Kommandeurs der deutschen Schutztruppen, General Lothar von Trotha, Autor des Vernichtungsbefehls gegenüber den Herero, den direkten Nachkommen des damaligen Herero-Chiefs Samual Maharero, Chief Alphons Mahahero, und einige Begleiter nach Deutschland ein. Die deutschen Gastgeber, natürlich an den Vorgängen nur insoweit "beteiligt", als sie den gleichen Familiennamen tragen, stellten sich der selbst so empfundenen historischen Verantwortung, suchten das Gespräch und Versöhnung. Und die namibischen Gäste ließen sich auf dieses Gespräch ein.

Es blieb nicht bei dieser einen Begegnung: Die Chiefs der in der OCD-1904 zusammengeschlossenen Herero-Gruppen luden eine Delegation der Von-Trotha-Familie zur Teilnahme an den Genozid-Gedenkfeiern in Omaruru und Okahandja im Oktober 2007 ein. Und der Gegenbesuch fand statt mit vielen Gesprächen, die im gleichen Geiste weiter geführt wurden. Am Gedenkmarsch in Omaruru nahmen 10 von Trothas auf ausdrückliche Aufforderung als Teil der Herero-Gruppe teil!

Riruako war zu diesen Veranstaltungen eingeladen, blieb ihnen aber fern. Stattdessen warnte er über das Radio, dass den von Trothas während ihres Besuchs etwas zustoßen könne und sie besser ihre eigenen Leibwächter mitbringen sollten. Diese kaum verhallte Drohung führte zu öffentlichen Distanzierungen auf namibischer Seite, selbst Riruakos Anhänger sahen sich zu gequälter Erklärungsversuchen genötigt: Er habe keinesfalls mit Gewalt gedroht, sondern nur davor gewarnt, dass die Vorfahren sich möglicherweise rächen könnten. Darüber lächelt man auch in Namibia.

Aber der ernste Hintergrund bleibt die Zerstrittenheit innerhalb des Herero-Lagers, die Gespräche auch für die deutsche Seite alles andere als leicht macht. Und sie wird jetzt auch stärker in die Öffentlichkeit getragen.

Nach weiteren Drohungen mit Demonstrationen musste eine Veranstaltung in Okahandja auf Rat der Polizei verlegt werden: Chief Alphons Maharero brach seine sonst geübte öffentliche Zurückhaltung nach dem Von-Trotha-Besuch mit folgenden Worten (ohne den Namen Riruako zu nennen): "So eine Person, die auch Mitglied des Parlaments ist, sollte der gesamten Nation wie auch der Regierungspolitik nationaler Versöhnung dienen, statt Menschen von dem Ort zu verjagen, der von Herero-Rednern genutzt wird." Und unter deutlichem Hinweis auf Riruakos Doppelfunktion als Parteipolitiker und traditioneller Chief fragte Maharero: "Gibt es etwa zwei verschiedene Regierungen in Namibia?"

Trotz dieser Begleitmusik war der private Von-Trotha-Besuch insgesamt von den Bemühungen um wechselseitige Verständigung und Respekt gekennzeichnet. Dies prägte auch die insgesamt sehr freundliche Medienberichterstattung. Sicher noch kein Versöhnungsdialog im angestrebten Sinne, aber er wies in die richtige Richtung und hatte in jedem Fall mehr Dialogcharakter als alles, was bislang auf den offiziellen Ebenen gelaufen ist.
  • Der Autor lebt in Namibia und war bis März 2007 Leiter des Medienprojektes für das Südliche Afrika der Friedrich-Ebert-Stiftung in Windhoek.
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